01.12.2010 artus exklusiv zu Gast...im Museum Gosz

Am Mittwoch, 1. Dezember 2010, besuchten wir die Ausstellung „Sans Fin“ von Nina Jäger im Museum Gosz.

So überschaubar die Ausstellung „Sans Fin“ im Museum Gosz in vier hölzernen Tischvitrinen daherkam, umso differenzierter war das Konzept das sich dabei offenbarte.

 

Das Garellyhaus in der Eisenbahnstraße hat sich mittlerweile mit der sparte 4 und dem Museum Gosz zum Hort zeitgenössischer Kunstformen entwickelt. Das Museum Gosz, das 2006 von der Künstlerin Malgorzata Stztremer und ihrem Mann Andreas Golczewski gegründet wurde, versteht sich im eigentlichen Sinne nicht als Museum, wie wir es üblicherweise kennen, vielmehr handelt es sich um ein Projekt. Das Museum Gosz ist Sztremers eigenes Atelier. Mehrmals im Jahr stellt sie es anderen Künstlerinnen und Künstlern für deren Projekte zur Verfügung. Die seit Jahren geführte Diskussion um den Wandel des Kunstbegriffes im 20. Jahrhundert und seine Konsequenzen für das Kunstmuseun werden im Museum Gosz anschaulich deutlich. Bazon Brocks Aussage, dass die Auffassung des Betrachters, Kunst sei immer mit Kunstgenuss und nicht Kunstarbeit verbunden, im bürgerlich-romantischen Kunstverständnis gründe, schwebte wie eine unsichtbare Überschrift über Raum und Ausstellung. Oder aber der Künstler Daniel Buren fällt einem ein, der behauptete, dass das Museum ein Hort, ein Zufluchtsort für das Kunstwerk sei, in dem es geschützt ist vor Witterung, vor Risiken, aber auch vor jeder Art von Fragen. Fragen, die an diesem Abend im Museum Gosz lauteten: Wo ist die Kunst? Es hängen keine Bilder an der Wand, es befinden sich keine Skulpturen in den Vitrinen. Nina Jäger, die freie Kunst bei Wolfgang Nestler an der Hochschule der Bildenden Künste studiert hat, präsentiert im Museum Gosz Bildräume, basierend auf Zitaten in Kombination mit einigen wenigen Fotos. Dem Betrachter wird Arbeit abgerungen, nämlich das Einlassen auf eine Kommunikationsform von Nina Jäger. Eine Kommunikation, die spröde daherkommt, und sich – im Sinne von Bazon Brock – „vom bürgerlich-romantischen Kunstverständnis“ entfernt hat. Die Bildräume muss sich der Betrachter selbst erarbeiten, erfinden. Nina Jäger liefert lediglich eine Basis für das individuelle Erleben des einzelnen Betrachters.

Dementsprechend gestaltete sich auch unser Rundgang als Diskurs. Mehr Fragen als Antworten. Wunderbar! Danke Nina Jäger für diesen großartigen Abschluss unseres Jahresprogrammes von artus – Junge Freunde Kunstmuseen. Davon wollen wir mehr!

Teilnehmer