02.10.2009 "artus unterwegs...zur „Nuit Blanche“ nach Metz"

Die 2. Nuit Blanche („Lange Nacht“) in Metz stand am Freitag, 2. Oktober wieder ganz im Zeichen der Gegenwartskunst. Der nächtliche, kostenlose Kunstbummel, den wir mit 20 Teilnehmern besuchten, wurde diesmal um die Ausstellung „Constellation“ erweitert, die seit einigen Monaten auf die Eröffnung des Centre Pompidou im Mai 2010 verweist.

Wir begannen unseren Rundgang unter der Leitung von Ines Heisig am Hauptbahnhof, im Salle de la chope (Bierkrugsaal), in dem Jean Tinguelys Installation „L’ enfer – un petit débout“ (1984) zu sehen war. Pünktlich um 19.30 Uhr begann die Höllenmaschine ein 5-minütiges Spektakel, das aus über 30 mobilen, autonomen Skulpturen besteht, darunter Elemente pflanzlichen und tierischen Ursprungs, Alteisen, Schrott und Elektromotoren, die ineinander verschachtelt sind und sich gegenseitig bewegen. Dieses Werk gehört zum Bestand des Pariser Centre Pompidou und war Teil der „Constellation“. Anschließend gings zum Arsenal. Dort besuchten wir die Fotografie-Ausstellung „Regards croisés sur le chantier du Centre Pompidou-Metz“. Sie vereinte Arbeiten von fünf Künstlern, die vom Centre Pompidou eingeladen waren, sich mit dem Wandel der Baustelle als fotografischem Objekt auseinander zu setzen. Nächste Station war die Chapelle des Templiers, die Guillaume Leblons „Grande Chrysocale“ aus dem Jahr 2006 zeigte. In der Templierkapelle (1180 bis 1220) entwickelte, die aus einem Geflecht aus goldglänzenden Metallstreifen bestehende Skulptur, eine mystische Aura, die an eine Reliquie oder an einen Pharaonensarg, erinnerte. In ihrem Inneren befinden sich verschiedene Objekte, Zeichnungen und Skizzen, die der Künstler zur Vorbereitung einer Ausstellung benutzte.

Ein weiteres Highlight der „Constellation“, nämlich Anthony McCalls „Line describing a cone“, aus dem Jahr 1973 gilt als eines der Schlüsselwerke des Experimentalfilms. Sein „geometrisches Kino“ sahen wir in der Eglise Saint-Pierre-aux-Nonnains, der ältesten Kirche Frankreichs (380-400).

Nach einer kleinen Stärkung im Cour des Trinitaires starteten wir um 22 Uhr zum zweiten Teil unseres Rundganges und konnten nun feststellen, dass die Metzer Kunstnacht im wahrsten Sinne des Wortes erst zur späteren Stunde die Massen anlockte. Die Straßen und Gassen der Innenstadt waren nun überfüllt mit kunstinteressierten und partywilligen jungen Besuchern. In der Eglise des Trinitaires wurde eine erst kürzlich vom Centre Pompidou erworbene Skulptur „Ohne Titel“ von Anish Kapoor, die zum ersten Mal außer Haus präsentiert wurde, gezeigt. Mit seiner reflektierenden, monochromen Oberfläche, spielt das Werk mit den menschlichen dualen Gegensätzen zwischen dem Vollen und Leeren, dem Sichtbaren und Unsichtbaren, dem Innen und Außen.

Unsere nächste Station, das „Hotel de Ville“, empfing uns mit der beeindruckenden „Video-Portrait-Gallery“ (1975-2002) der Performance-Künstlerin Marina Abramovic aus Belgrad. Zum Abschluss besuchten wir in der Eglise Saint Therèse die Lichtinstallation „Dr. Jekyll & Mr. Mouse“ von Berger & Berger aus dem Jahr 2009 und verschiedene Fotografie-Ausstellungen im benachbarten Lycée Louis Vincent.

Ein schöner Abschluss des Kunstrundganges bildete der Anblick des von Shigeru Ban und Jean de Gastines errichtete Centre Pompidou, dessen transparentes, zeltartiges Dach aus Glasfaserfolie bereits mystisch angestrahlt war und eine Vorstellung der künftigen Dependance des Centre Pompidou vermittelte.

Unser außerordentlicher Dank gilt Ines Heisig, die diesen wunderbaren Parcours für uns erarbeitet hatte und uns durch das überfüllte, nächtliche Metz führte und Dr. Elke Fegert, die die Gruppe rein räumlich zusammenhielt und sich darum kümmerte, dass niemand abhanden kam.

 

Teilnehmer