04.06.2014 artclub@home... hinter den Kulissen

artclub@home ...hinter den Kulissen

Am Mittwoch, den 4. Juni 2014 erhielt der artclub eine exklusive Führung „hinter die Kulissen“, und zwar in das temporäre Depot des Saarlandmuseums. Nur zehn Personen war dieser Einblick vergönnt, da aufgrund des engen Raums und der unmittelbaren Nähe der Kunstwerke nur Platz für eine begrenzte Anzahl an Menschen ist.

Das Thema des kurzweiligen Abends drehte sich um Zweck und Nutzung eines temporären Museumsdepots, um seine Ausstattung und um dessen Vor- und Nachteile. Auch einzelne Kunstwerke haben die Restauratorinnen Dr. Lisa Wagner und Katharina Deimel ihren Gästen ans Herz gelegt.

Katharina Deimel weihte uns in die Untersuchung und Konservierung von Oskar Schlemmers „Blaue Frauengruppe“ ein. Dabei durften die Teilnehmer die Oberflächenstruktur des Werkes unter dem Mikroskop genauestens analysieren: Übereinanderlagerungen von Farbschichten und Craqueleerissen, die unter dem Mikroskop wie Gletscherspalten aussehen und auf die brüchige Grundierung hindeuten. Sie veranschaulichte die Restaurierungsgeschichte des Werkes und gab eine aufschlussreiche Schilderung zu den anstehenden Sicherungsmaßnahmen, um das Werk auf die Reise zur großen Schlemmer- Retrospektive in Stuttgart vorzubereiten.

Dr. Lisa Wagner stellte uns ein Restaurierungsprojekt eines ebenso heiklen Kandidaten vor: die Décollage „Wochenspiegel – Beatles“ von Wolf Vostell. Das aus Plakatabrissen auf eine Leinwand geklebte Werk hat derartige Spannungen aufgebaut, dass sich die Leinwand von den Aufspannnägeln losgerissen hat. Wie kann man vorgehen, um ein solches Kunstwerk für eine Ausstellung fit zu machen? Verschiedene Varianten hat Frau Wagner vorgestellt und dabei verdeutlicht, wie stark Restauratoren auf Materialgefüge, komplexe klimatische Reaktionen und auf Behandlungsmethoden eingehen müssen.

Vorbei an Stellagen, Stelen und auf Meerschweinchen (so genannte gepolsterte Holzklötze) gelagerten Gemälden gelangten wir dann noch zum Sonderfall des Museums: „LOVE LIKE BLOOD (Dein Junker Meese "Babyface")“ von Jonathan Meese. Das riesige Werk tropft nur so von Farbe und das nicht nur sinnbildlich ? seit 2009 sind die Restauratorinnen damit beschäftigt, die Läufer der nicht trocknen wollenden Farben zu reduzieren.

Durch differenzierte Fragen von Seiten des artclub -Publikums entspann sich ein vielseitiger fachlicher Austausch mit den Restauratorinnen. Schließlich konnten beim Umtrunk auch Fragen zum Werdegang eines/r Restaurators/in geklärt werden.

Unser herzlicher Dank an Dr. Lisa Wagner und Katharina Deimel für den spannenden Einblick in die Restaurierungsarbeit und wir hoffen bald einer weiteren Gruppe ein exklusives Führungsangebot ermöglichen zu können.