06.10.2010 artus@home..."Fotosynthesen"

Kurator Dr. Roland Augustin führt die Jungen Freunde durch die Ausstellung

In der fünften Ausstellung der Reihe „Fotosynthesen“ treffen die Arbeiten des ehemaligen Meisterschülers Otto Steinerts Joachim Lischke, der im Jahr 1923 geboren wurde, auf Bilder von André Mailänder (geb. 1964). Er studierte Fotografie an der Fachhochschule Dortmund bei Joachim Brohm, Gosbert Adler, Caroline Dlugos und André Gelpke, welcher wiederum in Essen bei Steinert lernte.

In der Werkauswahl Joachim Lischkes wird der Akzent einerseits auf seine einzigartigen Luminogramme gesetzt. Dabei handelt es sich um fotografisch festgehaltene Lichtspuren, experimentell-abstrakte Bilder, die sich auf den elementaren Charakter des Lichtes und die Eigendynamik des Zufalls beziehen. Lischke hat eine ganz eigene Spielart dieser Gattung erfunden, indem er eine Kamera eigens zu diesem Zweck umfunktionierte, den Balgen mit Glasscherben füllte, und so die entsprechenden Lichtbrechungen auf Film gebannt werden konnten. Auch diese einzigartige Kamera gehört zu den Exponaten in der Ausstellung.

Kurator Dr. Roland Augustin führte die jungen Freunde am 6. Oktober durch die Ausstellung. Er arbeitet seit 1994 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Saarlandmuseum. Unser herzlichster Dank gilt an dieser Stelle Dr. Roland Augustin, der uns die Fotografien, sowie die technischen Details dieser Kamera nahe brachte.

Trotz Lischkes Pionierarbeit auf dem Gebiet der Lichtgestaltung wurde auf eine weitere Facette seines fotografischen Schaffens hingewiesen, auf einen dokumentarischen Ansatz, den er während seiner langjährigen Arbeit in der Landesbildstelle des Saarlandes entwickelte. Genau hier wird eine Verbindung spürbar zu der jüngeren fotografischen Position von André Mailänder, der auf eine Fotografie jenseits der subjektiven und humanistischen Orientierung der 1950er und 60er Jahre aufbaut, und auf eine absichtlich nicht urteilende Fotografie nach New Topographics und dem Durchbruch der so genannten Düsseldorfer Foto-Schule reagieren konnte.

Dies äußert sich keineswegs nur in der Wahl großer Formate, sondern insbesondere in der Reflexion serieller und dokumentarischer  Fotografie, die weniger etwas mit Journalismus zu tun hat, als vielmehr konzeptueller Ansatz ist, ja vielleicht sogar als Stil verstanden werden sollte. In den Jahren 2001 und 2002 entstand seine Serie Kulisse: Um die Jahrtausendwende errichtete neue Stadtviertel europäischer Metropolen vergleicht Mailänder mit Dioramen aus den Gehegen zoologischer Gärten und problematisiert den Begriff  einer von Menschen gebauten Landschaft im Sinne einer künstlichen Natur.

Dr. R. Augustin
Kamera
Teilnehmer