08.01.2014 artclub unterwegs...zum Robert Schuman Preis

Führung zu den Ausstellungsorten Stadtgalerie und K4 galerie mit Kuratorin Dr. Ingeborg Besch

 

Unsere erste Veranstaltung im neuen Jahr führte uns in die Stadtgalerie und in die K4 galerie zum Besuch von zwei Stationen des Robert Schuman Preises. Zur Führung mit der Kuratorin Dr. Ingeborg Besch hatten sich rund 20 Freundinnen und Freunde eingefunden.

1991 beschlossen die QuattroPole-Städte Luxemburg, Metz, Saarbrücken und Trier einen gemeinsamen Preis für zeitgenössische bildende Kunst im Namen des französischen Politikers mit lothringisch-luxemburgischen Wurzeln Robert Schuman auszuloben. Seitdem wird der mit 10.000 Euro dotierte Preis alle zwei Jahre turnusmäßig in einer der vier Städte vergeben, in diesem Jahr war Saarbrücken Austragungsort und zwar in der Stadtgalerie, der Johanneskirche und der K4 galerie.

Wir begannen unseren Rundgang passenderweise mit Laurent Steinmayer, einem von der Stadt Trier nominierten Graffiti-Künstler. Er hatte in Zusammenarbeit mit dem französischen Graffiti-Künstler Mantra den Namensgeber des Kunstpreises Robert Schuman zum Ausgangspunkt seines Graffitis im Vortragsraum der Saarbrücker Stadtgalerie auserkoren.

Von hier aus ging es weiter zu einer weiteren Wandarbeit: Armin Rohrs beeindruckende Wandgestaltung, versetzt mit Aludibond-Malereien und damit den Raum erweiternd. Die Entstehung dieser Arbeit dokumentierte im zweiten Obergeschoss ein Video, dass die verschiedenen Arbeitsschritte Rohrs verdeutlichte. Ausgehend von einer zunächst figürlich erscheinenden Komposition, gelangte Rohr zu einem ungegenständlichen Kosmos aus wuchernden Zellstrukturen.

Vorbei an fünf „klassischen“ Gemälden des Luxemburger Malers Christian Frantzen, gelangten wir zu einer weiteren bombastischen Wandgestaltung von Leslie Huppert mit dem Titel „Hope 1, Glaube, Liebe, Hoffnung“. Ihre Erweiterung der klassischen Malerei gelang mittels Videoprojektionen.

Der Farbrausch von Huppert gepaart mit faszinierenden wie verstörenden Gegenständen und Figuren fand sein jähes Ende bei den als „Endings“ betitelten Fotografien der Luxemburgerin Claire Barthelemy, die ungewöhnliche letzte „Bestattungsmöglichkeiten“ im Bild festgehalten hatte. Die zweite Etage der Stadtgalerie kam mit auf Thermopapier erzeugten „Zeichnungen“, Analog-Fotografien und Skulpturen etwas spröder daher.

Faszinierend wiederum das Projekt „Sounds like paint“ von Volker Sieben (Malerei) zusammen mit Martin Schmidt und Christof Thewes.

 

Zum Abschluss unseres Rundganges sahen wir in der K4 galerie die Arbeiten von Elodie Lanotte aus Nancy, der diesjährigen Preisträgerin des Robert Schuman-Preises.

Sie zeigt in der K4 galerie eine Fotoserie mit dem Titel „Vêtements“ (Kleidung) und die Videoarbeit „Plis“ (Falten). Die Jury erläuterte zu den Werken von Lanotte, sie schaffe es, in verdichteten poetischen Bildern die komplexe Auseinandersetzung um den Körper einzufangen. Dabei gehe es um die Offenheit seiner Identität, seine Vielgestaltigkeit und seine emotionale Kraft, die hier in sehr subtiler und konzentrierter Form ihren Ausdruck finden. Und weiter heißt es: „Die Werke von Elodie Lanotte erschüttern die westliche Philosophie, Wissenschaft und Psychologie, in denen der Körper dualistisch und naturalistisch gesehen wird, sie versuchen ihn zu „de-finieren“ (ent-fertigen), ihm einen Raum von Möglichkeiten zurückzugeben.“

 

Ob man gleich von der Erschütterung der ganzen westlichen Philosophie sprechen sollte, bleibt dahin gestellt...Unseren Rundgang beschlossen wir mit einem Umtrunk in der K4 galerie, bei dem die jungen Freundinnen und Freunde noch lange mit der Kuratorin über Sinn und Sinnhaftigkeit eines zeitgenössischen Kunstpreises diskutierten.

 

Unser Dank gilt der Kuratorin Frau Dr. Besch, die unsere Auftaktveranstaltung im Jahr 2014 zu einem ganz besonderen Erlebnis werden ließ.

 

Dr. Ingeborg Besch (im Hintergrund Graffiti von Laurent Steinmayer)
Laurent Steinmayer
Armin Rohr
Stadtgalerie
Elodie Lanotte