09.12.2009 "artus zu Gast... in der Galerie St. Johann"

Am Mittwoch, den 09.12.2009 war

ARTUS ZU GAST...IN DER GALERIE ST. JOHANN

 

PREVIEW durch die Jahresausstellung „40 Jahre Galerie St. Johann - Arbeiten auf Papier –konkret“.

Eine Preview in einer Galerie ist immer ein ganz besonderes Erlebnis. In letzter Sekunde werden Bilder gehängt, Werk- und Preislisten geschrieben... So auch am Mittwoch, dem 9. Dezember, in der Galerie St. Johann. Der Anlass für unseren Besuch war die Ausstellung „40 Jahre Galerie St. Johann, Arbeiten auf Papier – Konkret“. Diese Auswahl bot die Möglichkeit, einen Überblick über das bisherige Ausstellungsprogramm der Galerie zu erlangen. Prof. Sigurd Rompza, der seit fast 40 Jahren die Geschicke der Galerie mitbestimmt, begrüßte die Jungen Freunde zur Vorabbesichtigung und berichtete über die Anfänge der Galerie im Oktober 1969, die zunächst – wie auch heute noch am Namen erkennbar– am St. Johanner Markt in unmittelbarer Nähe zur Stadtgalerie beheimatet war. Vor vier Jahren zog die Galerie an ihren heutigen Standort in die Beethovenstraße. Die Galerie St. Johann hat ihr Profil in 40 Jahren nur wenig verändert, konkrete Kunst stand seit Anbeginn mit auf dem Programm, heute hat man sich jedoch darauf konzentriert und damit einen Nischenplatz eingenommen. Das weiß man, und auch, dass damit keine Laufkundschaft zu gewinnen ist, aber man ist seinem hochwertigen Programm treu geblieben. Die Galerie wird, bis auf wenige Ausnahmen, ehrenamtlich betrieben und verlangt daher ein großes Maß an Enthusiasmus und Eigeninitiative.

 

Nach diesen einleitenden Informationen erklärte Sigurd Rompza zur Einstimmung auf den Rundgang was unter dem Terminus Konkrete Kunst verstanden wird. Der Begriff wurde 1924 von Theo van Doesburg eingeführt und 1930 in einem Manifest der Gruppe „Art concret“ programmatisch festgelegt für eine Richtung der Kunst, die sich als „nicht-abbildend“ versteht und zuweilen auch auf mathematisch-geometrischen Grundlagen beruht. Häufig wird konkrete Kunst einfach nur als „abstrakt“ bezeichnet, das ist aber eigentlich nicht richtig, da sie nichts in der materiellen Realität abstrahiert, sondern im Gegenteil Geistiges materialisiert.

Wir starteten unseren Rundgang bei Vera Molnar, deren Arbeiten bereits im Jahr 2000 in einer Einzelausstellung der Galerie präsentiert wurden. Ihr „Computerprint auf Papier“ aus dem Jahr 2008 mutete in seiner Rhythmisierung aus geometrisierten, gebrochenen Linien wie ein Buchstabensalat an. Eine der ältesten Arbeiten in der Ausstellung stammt von Günther Fruhtrunk, ein Siebdruck aus dem Jahr 1970, der in einer Ausstellung Anfang der 70er Jahre gezeigt wurde und seither zum Bestand gehört. Am Beispiel Fruhtrunks erläuterte Rompza den jungen Freunden nicht nur die Unterschiede von Hoch- und Flachdruck und im Speziellen die Technik der Seriegrafie, sondern erklärte auch Eigenheiten der Drucker, spezielle Abzugsverfahren und Kürzel auf den Drucken wie etwa „ea“. Diese Abkürzung bedeutet „épreuve d’artiste“ und stellt einen Probeabzug dar, der aufgrund seiner Einzigartigkeit daher in der Regel von Sammlern besonders begehrt ist. Bei einer Feder- und Tuschezeichnung des im letzten Jahr verstorbenen Bildhauers Hans Steinbrenner aus dem Jahr 2003 wurde die ästhetische Wahrnehmung der Bildstruktur diskutiert. Um zu verdeutlichen, dass es sich bei dieser Arbeit um eine autonome Zeichnung und nicht um eine vorbereitende Studie für eine Plastik handelte, präsentierte Sigurd Rompza kurzerhand eine Bronzeplastik aus dem Depot. Durch Diskussionen und Fragen der jungen Freunden, denen Rompza bereitwillig Auskunft gewährte, waren somit zwei Stunden wie im Flug vergangen.

 

Unser ganz herzlicher Dank gilt Herrn Prof. Rompza, der uns nicht nur die Möglichkeit der Preview gewährte, sondern auch mit seiner engagierten Führung mit der nicht immer leicht zugänglichen Welt der konkreten Kunst vertraut machte.

Gruppenbild
Prof. Rompza