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Mittwoch, 11. Oktober 2017, 19 Uhr

Besuch der Ausstellung Der Berliner Skulpturenfund – „Entartete“ Kunst im Bombenschutt mit Juliana Gocke

Im Oktober konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des artclubs einen exklusiven Blick in die aktuelle  Sonderausstellung Der Berliner Skulpturenfund – „Entartete“ Kunst im Bombenschutt im Museum für Vor- und Frühgeschichte werfen.

Anhand des sensationellen Fundes während einer archäologischen Grabung im Jahre 2010 am Berliner Rathaus erläuterte Frau Gocke die vom NS-Regime festgelegten Kriterien „entarteter Kunst“, welche dazu führten, dass zahlreiche Meisterwerke der Avantgarde-Kunst aus musealen Sammlungen herausgerissen wurden. Neben spannenden Hintergrundgeschichten zu den 16 ausgestellten Skulpturen und Plastiken erfuhren die Teilnehmer von Frau Gocke auch einiges zur Sammlungsgeschichte des Museums für Vor- und Frühgeschichte und der Modernen Galerie. Frau Gocke stellte besonders die 14 Arbeiten auf Papier aus der Graphischen Sammlung der Moderen Galerie in den Fokus. Diese Arbeiten repräsentieren drei Kategorien von Werken, welche auf unterschiedliche Weise in Zusammenhang mit der „Säuberungsaktion“ in der NS-Zeit stehen. Dem damaligen Museumsdirektor Kreuter gelang es z.B. einig Werke vor der geforderten Herausgabe zu bewahren (Werke von Eduard Munch, Fritz Zolnhofer, Pablo Picasso oder André Derain). Einige der entnommenen Werke konnte Jahre später wieder zurückerworben werden oder wurden als großzügige Spende zurückgegeben (Werke von Emil Nolde oder Conrad Felixmüller). Eine weitere Werkgruppe zeigt Grafiken diffamierter Künstlerwerke, von welchen ein erneuter Abzug oder ein ähnliches Motiv wiedererworben wurde.

Die von Juliana Gocke präsentierten 14 Grafikwerke werden zudem Mitte Dezember aus konservatorischen Gründen gegen andere Arbeiten auf Papier ausgetauscht, so dass ein erneuter Besuch der Ausstellung besonders zu empfehlen ist. 

Wir danken Juliana Gocke herzlich für diesen beeindruckenden Einblick in die wechselhafte Geschichte von musealen Beständen im Dritten Reich und auf die vielfältigen Folgen, die sich daraus bis heute für die Sammlungspflege und Provenienzforschung in Museen ergeben.

Diese Ausstellung ist eine Kooperation der Staatlichen Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte, im Rahmen des Föderalen Programms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit dem Museum für Vor- und Frühgeschichte Saarbrücken und dem Saarlandmuseum – Moderne Galerie.

 

Fotos: Oliver Dietze

Blick in die Ausstellung "Der Berliner Skulpturenfund"
Blick in die Ausstellung "Der Berliner Skulpturenfund"
Blick in die Ausstellung "Der Berliner Skulpturenfund"