20.08.2011 artus@home...ornamental structures

Ab Januar 2012 wird die Stadtgalerie Saarbrücken nicht mehr unter der Trägerschaft der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz geführt werden. Die letzte Ausstellung im Jahr 2011 mit dem Titel „Ornamental Structures“ wurde am 19. August 2011 eröffnet und wir nutzten gleich am nächsten Tag die Chance die Ausstellung zu besuchen und auch der Stadtgalerie „bye bye“ zu sagen.

Dr. Lida von Mengden, die die Ausstellung kuratiert hatte, begleitete uns bei diesem letzten Rundgang. Die Ausstellung „Ornamental Structures“ befasst sich mit der Anwendung von ornamentalen Mustern unterstrukturellen und konzeptuellen Aspekten und ihrer Bedeutung in der zeitgenössischenKunst.

Beginnend von Ornamenttraditionen, die bis in die Frühzeit der Menschheitsgeschichte zurückreichen, erläuterte von Mengden verschiedene Auffassungen und Funktionen der Ornamente bis ins 20. Jahrhundert. Die zunehmende Industrialisierung und damit einhergehend eine funktionalistische Industriearchitektur und die dadurch ausgelösten Theoriediskussionen – mit teils heftigen Angriffen gegen das Ornament – leiteten eine Wende ein. Die Verbannung des Ornaments, die auch theoretisch u.a. durch die 1908 von Adolf Loos verfasste polemische Schrift „Ornament und Verbrechen“ unterstützt wurde, war bis vor 20 Jahren ununterbrochen zu spüren.

In der Ausstellung vertretene Künstler wie Wim Delvoye, Bjorn Melhus, Mariella Mosler oder Jorinde Voigt übernehmen heute zwar traditionelle Ornamentformen, interpretieren diese jedoch neu oder fügen sie in einen veränderten Kontext ein. Wim Delvoye, den wir bereits bei einer Performance im Luxembourger Mudam kennenlernen konnten, spielt in den ausgestellten Werken „Gate #6“ oder „Car Tyre“ mit ästhetischen Gegensätzen, vermengt Hoch- und Populärkultur, indem er bei bei seinem Gartentor z.B. Schweine anstelle von Löwen als flankierende Hoheitstiere verwendet. Eine der beeindruckendsten Arbeiten stammt von der iranischen Künstlerin Parastou Forouhar, die einen Raum mit arabischen Schriftzeichen ausgemalt hat. Der „Schriftraum“ bezaubert mit der Schönheit des Ornamentalen; unabhängig davon, ob wir die Botschaften verstehen. Auch Jorinde Voigt beeindruckt in ihren Arbeiten mit dem Titel „2 küssen sich“ durch poetisch anmutende Notationssysteme, basierend auf Fibonacci, die dadurch zugleich eine fast wissenschaftliche Anmutung des Kuss-Verhaltens augenzwinkernd thematisiert.

Diese großartige Ausstellung führt den künftigen Verlust der Stadtgalerie umso schmerzlicher vor Augen. Unser Dank gilt Dr. Lida von Mengden für ihre sympathische und engagierte Begleitung bei unserem letzten Rundgang… Bye bye Stadtgalerie!

Schriftraum von Parastou Forouhar
Teilnehmer