21.03.2012 artus blickt hinter die Kulissen

Bei unserer Background-Führung am Mittwoch, dem 21. März, besuchten wir die Restaurierungswerkstätten des Saarlandmuseums, die der Öffentlichkeit üblicherweise nicht zugänglich sind. 

Restauratorin Ute Dietzen-Seitz begrüßte uns mit ihrem Team, das neben Dipl.-Restauratorin Ingrid Schwarz (Studium der Restaurierung an der Staatl. Akademie der bildenden Künste Stuttgart, Schwerpunkt Papierarbeiten und Fotografie) und Volontärin Katharina Deimel (Gemälde) derzeit durch die Gemälde-Restauratorin Silvia Hellwig M.A. (Studium der Konservierung und Restaurierung von Gemälden und gefassten Holzobjekten an der HAWK Hildesheim) bereichert wird. Ingrid Schwarz erläuterte zu Beginn, dass der Beruf „Restaurator/in“ zwar mit einem universitären Studium abgeschlossen werden kann, darüber hinaus aber keine geschützte Berufsbezeichnung darstelle. Jahrelange Erfahrung ist für den behutsamen Umgang beim Bewahren und Restaurieren der verschiedenen künstlerischen Techniken vonnöten. 

Die Gemälde-Expertin Silvia Hellwig ist für einen Spezialauftrag ins Saarlandmuseum gekommen: die Restaurierung von Ernst Ludwig Kirchners Gemälde „Tannen im Gebirge“. Nach einer ersten schriftlich und fotografisch erfolgten Bestandsaufnahme Ende des letzten Jahres, folgt nun die Säuberung des Gemäldes. In Millimeter-Arbeit. Der Umgang mit den Werken geschieht behutsam und ist nicht auf eine akute Sicherung angelegt, sondern hier wird in Generationen gerechnet. Geduld muss wohl eine der Haupteigenschaften von Restauratoren sein.

Am Nachbartisch und mit Unterstützung eines Mikroskops arbeitet Katharina Deimel, ebenfalls seit Monaten, an der Restaurierung von Otto Müllers „Zigeuner mit Sonnenblume“, die sich hier noch weitaus schwieriger gestaltet als bei Kirchner, da der Farbauftrag und seine einzelnen Partikel vor der Säuberung zunächst gesichert werden muss. Hier handelt es sich um einen wasserlöslichen Farbauftrag auf grobem Rupfen, der unter dem Mikroskop wie eine zerklüftete Kraterlandschaft anmutet.

Ingrid Schwarz präsentierte uns das berühmteste Bild des Saarlandmuseums, Franz Marcs Gemälde „Das blaue Pferdchen“, das mittlerweile wieder seinen ursprünglichen weißen Rahmen aufweist. Kürzlich angefertigte Röntgenaufnahmen geben verschiedenen „Farbspuren und –schlieren“, die nicht mit dem eigentlichen Motiv und Farbauftrag erklärbar waren, einen neuen Sinn. Das Gemälde wurde übermalt. Mit Hilfe der Röntgenaufnahmen ist eine darunter sich befindliche Landschaft ersichtlich.

Zum Abschluss führte uns Katharina Deimel zu Jonathan Meeses großformatigem Triptychon „Love like blood“, welches Meese 2004 für die Saarbrücker Ausstellung „Etrangement proche“ gemalt hatte und das die Fördergesellschaft im Anschluss an die Schau für das Saarlandmuseum angekauft hat. Im Januar 2010 entwickelte das Bild ein „Eigenleben“, genauer gesagt eine beige Acrylfarbe mit dem Namen „Buff Titanium“. An mehreren Stellen tropfte und lief die Farbe. Auch weitere Bilder von Meese, bei denen er mit dieser Farbe gearbeitet hatte, zeigten ein ähnliches „Eigenleben“. Katharina Deimel prüft mehrmals in der Woche etwaige Veränderungen an dem Bild. Es kann noch Jahre dauern bis die Farbe endgültig getrocknet ist. Den Künstler freut das, sein Bild „lebt“.

Für diesen spannenden Einblick bedanken wir uns recht herzlich und freuen uns auf die nächste Background-Führung in den Werkstätten mit dem Schwerpunkt „Fotografie und Papier“!